Pride in London

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Michi
29. August 2019
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Einmal im Jahr sieht London, so wie andere große Städte der vor allem westlichen Welt, aus, als wäre es in einen riesigen Regenbogen getaucht worden. Überall wehen Flaggen, an vielen Ecken dröhnt Pop-Musik der 90er und 2000er Jahre. Vor allem fällt im Pride Monat (ja, es gibt mehr als die riesige Parade) aber auf, dass ganz egal wie unterschiedlich Menschen sein können, am Ende alle zusammen feiern und gut gelaunt sein können. In diesem Artikel erfahrt ihr alles, was ihr über DAS Event der LGBT+ Community in London wissen müsst.

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LGBT – Was?!

Bevor wir erklären können was überhaupt gefeiert wird, möchten wir euch erstmal darüber aufklären, wer überhaupt Zielgruppen und Initiatoren der Veranstaltungen sind. Vorweg sollte aber eines klar gestellt werden: Im Folgenden wird viel über die *queere* Gesellschaft berichtet, fest steht jedoch, dass sich die Veranstaltung im Rahmen der Pride an alle denkbaren sozialen Schichten und Segmente richten, unabhängig von sexueller Orientierung, sozialem Status, ethnischem Hintergrund oder sonstigem. Das (inoffizielle) Ziel der Pride ist es nämlich vor allem genau diese Diversität zu feiern und voranzutreiben.

Queere Gemeinschaften

Im Jahre 2019 ist es zugegebenermaßen nicht ganz einfach an dem Ausdruck „LGBT“ vorbei zu kommen.

  • Lesbian
  • Gay
  • Bisexual
  • Transgender

Bedingt durch die Geschichte der Pride-Bewegung geht es vor allem um Menschen mit nicht-heterosexueller Orientierung. Das sind zunächst mal Lesben, Schwule und Bisexuelle. Gleichermaßen jedoch auch Transgender, also Menschen die aus ihrer Sicht im falschen Körper geboren sind: Männer in Frauenkörpern und Frauen in Männerkörpern.

Im Laufe der Zeit taten sich aber zunehmend weitere Diskrepanzen auf und viele Leute fühlten sich auch diesen Kategorien nicht zugehörig. Beispiele dafür sind Menschen, die sich selbst als intersexuell oder genderfluid beschreiben. Deshalb wurde bald auch das „+“ im Ausdruck „LGBT+“ (wahlweise LGBTQ) ergänzt. Es steht stellvertretend für alle, die sich nicht von LGBT abgeholt, aber auch nicht als heterosexuell fühlen. Ebenso verhält es sich mit dem Ausdruck queer: Der Begriff ist nicht klar abgegrenzt, sondern ist ein Schirmbegriff für alle nicht-heterosexuellen Minderheiten.

Die Organisatoren der Pride London

Nach dem Stonewall-Aufstand (s. unten) ist die Pride zu einem jährlich stattfindenden, globalen Event geworden. Gerade in Megametropolen wie London, aber auch in kleineren Städten, bedarf es bei solchen Events natürlich einem enormen Organisationsaufwand. In London übernimmt diese Organisation die Pride in London Not-for-Profit Organisation. Die Veranstalter arbeiten alle auf freiwilliger Basis und jegliche Einnahmen, die mit den Events gemacht werden, gehen an Projekte innerhalb der queeren Gemeinschaft. Die Hauptziele der Organisation sind

  1. Alle Teile der LGBT+ community einzubeziehen
  2. Der Community eine Plattform zu bieten und ihre Existenz zu feiern
  3. Die Pride ständig zu verbessern, auszubauen und somit London als einen Vorreiter in der Welt zu positionieren.

Auf der Website der Pride in London gibt es alle Infos, die ihr zum Festival braucht.

Pride in London

Der Stonewall-Aufstand 1969

Vor ziemlich genau 50 Jahren, am 28. Juni 1969, wurde bei einer Razzia einer Schwulenbar in New York und dem darauf folgenden Widerstand gegen die New Yorker Polizei der Grundstein für eine weltweite Bewegung gelegt.

Queere Communities litten in den 60er Jahren in den USA, so wie im Großteil der restlichen Welt, massiv unter Diskriminierung, Schikane und Unterdrückung durch den Großteil der Gesellschaft, aber auch durch den Staat und die Polizei. Mehr als das, galt Homosexualität bis dahin noch offiziell als krank, bestätigt durch die Weltgesundheitsorganisation. Das beliebteste Mittel der Polizei waren Elektroschocker.

Schwulenbars, wie das Stonewall Inn in New York, waren also oftmals die einzigen Orte, an denen sich Menschen so geben konnten, wie sie es nunmal waren: schwul, lesbisch, transgender, queer. Am Abend des besagten 28. Junis jedoch passierte etwas Ungewöhnliches: Die Polizei veranstaltete eine Razzia gegen das Stonewall Inn – das war an sich nichts komplett überraschendes, doch meistens wussten die Betreiber dieser Bars vorher Bescheid; nicht so dieses mal. Ebenso ungewöhnlich wie die unerwartete Razzia war jedoch auch die Dynamik, mit der die Besucher reagierten. Obwohl sie geschlagen und niedergemacht wurden, wehrten sie sich mit aller Kraft und so artete der Abend in eine Massenschlägerei mit etlichen Verletzten aus.

Von diesem Tag an gingen Proteste los und die Geschichte des Stonewall Inn breitere sich aus, spendete vielen anderen queeren Gemeinschaften in den USA Hoffnung und wurde so zu einer immer größer werdenden Bewegung, in der die Menschen für ihre Rechte demonstrierten; nicht selten entgegen massiven Gegenprotesten

Übrigens: Die Straße der bis heute existierenden Bar Stonewall Inn heißt Christopher Street. Das ist der Grund, warum es beispielsweise in Deutschland nicht Pride heißt, sondern Christopher Street Day.

Pride in London

Viel geschafft – viel zu tun

Obwohl die Pride Umzüge heute in westlichen Städten oftmals mehr an riesige Partys erinnern, als an Demonstrationen, ist noch längst keine komplette Gleichstellung queerer Gesellschaftsschichten erreicht. Neben legislativen Einschränkungen werden öffentlich queer lebende Menschen noch oft angefeindet. Erst kürzlich wurde ein lesbisches Paar in einem Londoner Bus zusammengeschlagen.

Außerdem können insbesondere die Paraden in weniger liberalen Städten und Ländern nicht ungehindert ausgeführt werden. In Istanbul ist zum Beispiel die Polizei bei der Pride Parade 2019 mit Tränengas gegen die friedlich marschierenden Demonstranten vorgegangen.

Genau deshalb sind freie Veranstaltungen und Events wie die Pride in London so wichtig: Neben all dem Spaß und der ganzen Feierei dient sie als Vorbild dazu, wie diverse Gesellschaftsschichten ganz ohne Streit miteinander auskommen können.

Der Pride Monat in London – mehr als ein Straßenumzug

Generell dauert der Pride Monat in London meistens ungefähr einen Monat. In 2019 war der Beginn am 08. Juni und gipfelte mit der Parade am 06. Juli. Das Programm ist extrem vielfältig:

  • Bühnenshows
  • Community Events bestimmter Verbände
  • Partys
  • Picknicks
  • Ausstellungen
  • und und und

Der Grundgedanke ist es nicht alle Aktivitäten auf den Parade Day zu konzentrieren (obwohl dieser zweifelsohne das Highlight ist), sondern zu zeigen, wie sich queere Events nahtlos in das alltägliche Leben der nicht-queeren Gesellschaft integrieren lassen.
Auf der Website der Pride in London findet ihr Tages- und Uhrzeitbezogene Auflistungen zu den jeweiligen Veranstaltungen und Events.

Der Höhepunkt der Feierei: Die Pride Parade

Die Veranstaltungen gipfeln jährlich in einem Straßenumzug sondergleichen. Jährlich marschieren, tanzen, feiern und demonstrieren über 1 Mio. Menschen zwischen Portland Palace, Oxford- und Piccadilly Circus, Trafalgar Square und Whitehall.

Zu der Parade können alle Menschen kommen, die sich das unvergleichliche Spektakel nicht entgehen lassen wollen, ganz ungeachtet ihrer Sexualität. Dutzende Verbände, Unternehmen, Organisationen und Gemeinschaften nehmen mit Wagen an der Parade teil. Im Großen und Ganzen ist die Parade ein feuchtfröhliches, sehr lautes Vergnügen mit viel Musik, lachenden Menschen, exzentrischen Shows und Persönlichkeiten und vor allem ganz, ganz vielen Regenbogenflaggen. Nachdem das etwa fünfstündige Event vorbei ist, verlaufen sich die Teilnehmer in den umliegenden Clubs und Bars um die Pride zu feiern. Die Parade ist ein riesiger Spaß für Freunde und Paare, aber auch alleine oder als Familie empfehlenswert. An wenigen Tagen im Jahr wird man offenherziger aufgenommen, egal wer man ist, wie man aussieht oder mit wem man sich unterhält.

Queere Aktivitäten in London

Neben dem Pride Monat hat London als Multi-Millionen Metropole auch über den Rest des Jahres einiges an Aktivitäten für die queere Gesellschaft zu bieten. Hier eine kleine Auflistung der möglichen Alternativen:

  • KU Gay Bar: traditionsreiche Schwulen- und Lesbenbar mit Fokus auf laute Popmusik und starke Drinks
  • Soho: Das Trendviertel hat extrem viele Hotspots zu bieten, von Bars, über Clubs, bis hin einschlägigen Shops
  • LGBT Theatre: Theaterstücke mit, für und von queeren Darstellern und Organisatoren

Es gibt auf jeden Fall einiges zu tun, gerade was das Thema Bars und Nightlife angeht. Hier findet ihr einen ziemlich guten Überblick über die anstehenden Events und beliebtesten Lokalitäten.

Pride in London

Themen der LGBT+ Bewegung

Obwohl man schnell dabei ist die queere Community ausschließlich mit Party und exzentrischen Persönlichkeiten in Verbindung zu bringen, gibt es durchaus eine feste Agenda hinter den durchgeführten Aktionen. Zu den am wichtigsten geltenden Themenfeldern gilt natürlich die sexuelle Orientierung, aber auch auch Dinge wie Durchsetzung von Menschenrechten, Beantwortung von Gesundheitsfragen und Lösung verwandter Probleme, Vorbeugung von Gewalt und Vorurteilen und dem Entgegenwirken von Stigmatisierung und Diskriminierung. Die Agenda der LGBT+ Gemeinschaft sind also mehr als ernst und es ist zu erwarten, dass der Kampf unter der Regenbogenflagge solange anhalten wird, bis alle Ungleichheiten der queeren Community gegenüber ausgeräumt sind.

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